Mit der Verlagerung des traditionellen Glücksspiels ins Internet ist der Zugang zum Glücksspiel leichter geworden, und insbesondere durch die zunehmende Verbreitung des Internets ist das Suchtrisiko gestiegen.
Was ist Online-Glücksspielsucht?
Online-Glücksspielsucht bezeichnet einen Zustand, in dem Menschen ein unkontrolliertes Interesse an Online-Glücksspielen entwickeln und sich nicht davon abhalten können, diese zu spielen.
Wer wendet sich dem Online-Glücksspiel zu?
Online-Glücksspielsucht ist besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbreitet. Diese Gruppe, die stärker mit digitalen Technologien in Berührung kommt, kann leicht auf Glücksspielseiten zugreifen und eine Sucht entwickeln. Darüber hinaus sind auch Menschen gefährdet, denen die Stressbewältigung schwerfällt, die sozial isoliert sind oder unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen leiden. Menschen mit finanziellen Problemen können dazu neigen, sich solchen Plattformen zuzuwenden, in der Hoffnung, auf einfache Weise Geld zu verdienen.
Die Anziehungskraft des Online-Glücksspiels
Online-Glücksspielplattformen ziehen Nutzer mit ansprechenden Grafiken, sofortigen Belohnungen und ständig aktualisierten Inhalten an. Diese Plattformen sind so gestaltet, dass sie leicht zugänglich sind, und bieten durch ihre Verfügbarkeit rund um die Uhr einen ständigen Anreiz. Zudem erleichtern Angebote wie „kostenlose Spiele“ oder „der erste Versuch ist kostenlos“ den Einstieg in diese Welt. Die unmittelbare Rückmeldung bei solchen Spielen aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und führt zur Entwicklung einer Sucht.
Gemeinsame Merkmale von Menschen mit Online-Glücksspielsucht
Bei Menschen, die eine Sucht entwickeln, zeigen sich häufig Persönlichkeitsmerkmale wie Risikobereitschaft, Impulsivität, geringe Selbstkontrolle und unzureichende Fähigkeiten zur Stressbewältigung. Diese Persönlichkeitsmerkmale können dazu führen, dass sie kurzfristige Befriedigung suchen und langfristige Folgen außer Acht lassen. Auch frühere traumatische Erfahrungen, familiäre Beziehungen oder das soziale Umfeld können eine Glücksspielsucht auslösen. Emotionale Probleme wie mangelndes Selbstvertrauen oder Gefühle der Wertlosigkeit können dazu führen, dass Menschen versuchen, diese Leere durch Glücksspiel zu füllen.
Warum Glücksspiel?
Der Online-Glücksspielsucht liegt das Belohnungssystem des Gehirns zugrunde. Jeder kleine Gewinn beim Glücksspiel regt dazu an, weiterzuspielen. Während im Gehirn der Wunsch entsteht, diese Belohnungen erneut zu erleben, können selbst Verluste zum Weiterspielen verleiten. Der Gedanke „In der nächsten Runde könnte ich gewinnen“ drängt dazu, mehr Zeit am Spieltisch zu verbringen. Gleichzeitig können die Anonymität des Online-Glücksspiels und die fehlende unmittelbare Sichtbarkeit eines materiellen Verlusts (zum Beispiel eines Geldverlusts) dazu führen, dass diese Gewohnheit fortgesetzt wird. Zur Vorbeugung ist es wichtig, Menschen aufzuklären und ihr Bewusstsein für die Risiken zu stärken. Insbesondere Bildungsprogramme für Jugendliche sollten über die möglichen Schäden des Glücksspiels informieren und gesunde Bewältigungsstrategien vermitteln. Auch eine offene Kommunikation der Eltern mit ihren Kindern über dieses Thema und die Kontrolle der Internetnutzung können vorbeugend wirken.
Wege aus der Online-Glücksspielsucht
Wenn bereits eine Sucht entstanden ist, ist professionelle Hilfe unerlässlich. Psychotherapie, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, kann Betroffenen helfen, ihr Verlangen nach Glücksspiel zu kontrollieren. Darüber hinaus können die Stärkung des sozialen Unterstützungsnetzes und die Förderung anderer Interessen dazu beitragen, die Online-Glücksspielsucht zu überwinden.
Es darf nicht vergessen werden, dass Online-Glücksspielsucht ein ernstes Problem ist, das sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene angegangen werden muss. Durch bewusste Schritte in diesem Bereich ist es möglich, Einzelpersonen und Familien vor dieser Gefahr zu schützen.
Klinische Psychologin Solin Çekin