Was hat es mit „Vertrauen“, „sicherer Bindung“ und „Vertrauensbeziehung“ auf sich, von denen wir immer wieder mit Nachdruck sprechen? Warum ist das so wichtig?
Liebe Freundinnen und Freunde, Ihre erste Bindung zu den Eltern oder anderen Menschen, die Sie in Ihren frühesten Lebensjahren betreut haben, wird ein Leben lang ein Teil von Ihnen, wie ein Körperteil.
Wenn Sie älter werden, hängen Ihr Blick auf die Welt und Ihre Haltung in romantischen Beziehungen (sowohl auf emotionaler Ebene als auch hinsichtlich der Frage, wo körperlicher Kontakt beginnt und wo er endet) eng mit der Art dieser sehr frühen Bindung zusammen.
Eine sichere Bindung ist die Beziehung zwischen Ihnen und einer Bezugsperson, die Haut- und Blickkontakt mit Ihnen hatte, Ihre emotionalen Bedürfnisse ebenso gut wie Ihre körperlichen wahrgenommen und berücksichtigt hat, Sie geschützt und Ihnen zugleich Freiraum gegeben hat, damit Sie sich entwickeln und selbst verwirklichen können.
Sichere Bindung entsteht im wechselseitigen Austausch mit einer Bezugsperson, die beständig und verlässlich handelt, bei Bedarf flexibel sein kann, nicht verurteilt, Ihren Gefühlen mit Einfühlungsvermögen begegnet und Sie darin unterstützt, diese auszudrücken.
Wenn ich nun in einem Zuhause aufgewachsen bin, in dem es ein solches Modell sicherer Bindung nicht gab, werden mich die Folgen dann mein Leben lang beeinflussen? Lässt sich das nicht ausgleichen?
Immer mehr Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen in romantischen Beziehungen im Erwachsenenalter, in engen Freundschaften und im Rahmen einer kontinuierlichen Psychotherapie, in die sie sich aktiv einbringen, diesen Bindungsstil erlernen können, indem sie den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung ‚erleben‘.
Ja, Sie können Ihre Vergangenheit nicht ändern. Doch es ist immer möglich, zu lernen, sich weiterzuentwickeln und sich zu verändern. Im Rahmen dessen, was unsere Natur und unsere Lebensumstände zulassen, lässt sich mit der Zeit vieles ausgleichen.