Den größten Anteil der Patienten mit einem Suizidversuch bilden Patienten in einer schweren depressiven Episode. Studien haben gezeigt, dass das Suizidrisiko bei einer depressiven Störung 20-mal höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig Behandlung und Nachsorge bei Suizidalität und der häufigsten zugrunde liegenden Ursache, der Depression, sind und dass Suizid eine vermeidbare Krise der öffentlichen Gesundheit darstellt.
Lässt sich ein Suizid vorhersagen?
Es gibt kein objektives Messverfahren und keinen Test, mit dem sich suizidales Verhalten vorhersagen lässt. Studien zum Thema Suizid haben das Ziel, individuelle, umweltbezogene, psychologische und weitere Faktoren zu erkennen, die einen Menschen in diese Situation bringen, um eine fundierte Einschätzung und Behandlung zu ermöglichen.
Bringt die Frage nach Suizidgedanken einen Menschen erst auf die Idee?
Nein, einen Menschen zu fragen, ob er Suizidgedanken hat, weckt in ihm keine Suizidabsicht. Studien liefern Hinweise darauf, dass es sehr wichtig ist, Suizid offen ansprechen zu können, und dass die Frage danach keinen Suizid auslöst, sondern im Gegenteil hilfreich sein kann.
Wie können wir das Suizidrisiko eines Menschen mit Depression einschätzen?
Bei nahezu allen Patienten mit einem Suizidversuch liegt die Diagnose einer psychischen Störung vor. Etwa 80 % davon entfallen auf Depressionen. Es wurde gezeigt, dass das Suizidrisiko bei einer depressiven Störung 20-mal höher ist als in der Allgemeinbevölkerung.
Wie bereits erwähnt, lässt sich ein Suizid trotz zahlreicher Studien zu diesem Thema nicht vorhersagen. Es ist jedoch möglich, Risiken zu erkennen, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen und die Behandlung entsprechend zu gestalten.
Lässt sich ein Suizid verhindern?
Suizid nimmt unter den vermeidbaren Todesursachen einen wichtigen Platz ein. Zur Einschätzung des Suizidrisikos werden in der Praxis klinische Gespräche und Fragebögen eingesetzt, die die Betroffenen selbst ausfüllen (Selbstbeurteilungsskalen). Am wichtigsten ist jedoch, bei der Einschätzung des Suizidrisikos die Individualität jedes Menschen zu berücksichtigen, regelmäßige Verlaufskontrollen durchzuführen und mit dem Patienten therapeutisch zusammenzuarbeiten.
Studien betonen, wie wichtig es bei der Einschätzung des Suizidrisikos ist, die Suizidneigung des Einzelnen, begleitende psychische und körperliche Erkrankungen, psychologische Merkmale, familiäre Faktoren, die Verfügbarkeit von Suizidmitteln, soziale Beziehungen, Stressfaktoren, Störungen durch Alkohol- und Substanzkonsum sowie Verhaltensänderungen zu berücksichtigen. Ein sehr wichtiger Faktor ist, dass die behandelnden Ärzte über Fachkenntnisse auf diesem Gebiet und ausreichend Erfahrung verfügen, um den Verlauf zu begleiten.