Die Häufigkeit einer Major Depression im Jugendalter wird mit 14–20 % angegeben. Eine unzureichende Behandlung der Depression in dieser Lebensphase ist ein weltweites Problem der öffentlichen Gesundheit, das schwerwiegende Folgen mit sich bringt, darunter häufige Rückfälle, erhebliche Einschränkungen der sozialen und wirtschaftlichen Funktionsfähigkeit, das Auftreten von Begleiterkrankungen, eine erhöhte Anfälligkeit für Substanzkonsum, Schwangerschaften im Jugendalter und ein erhöhtes Suizidrisiko.
Psychotherapie und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer gehören heute zu den vorrangigen Behandlungen der Depression im Jugendalter. Allerdings führen die verfügbaren Behandlungsansätze wie Psychotherapie, Pharmakotherapie oder deren Kombination bei Jugendlichen häufig zu nicht optimalen Ergebnissen und weisen unklare Sicherheitsprofile auf. TMS-Behandlung
Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) wird zunehmend als experimentelle Behandlung für Jugendliche mit Depression anerkannt, die auf Standardbehandlungen wie kognitive Verhaltenstherapie und SSRI nicht ansprechen.
Die Behandlung mit TMS umfasst die Stimulation kortikaler Neuronen durch magnetische Impulse und die Erregung kortikaler Neuronen. Die folgende Tabelle fasst die im Jugendalter angewendeten TMS-Protokolle und die Ansprechraten hinsichtlich depressiver Beschwerden zusammen. Demnach gilt TMS bei der Behandlung von Depressionen bei Jugendlichen, die auf Standardbehandlungen unzureichend ansprechen, als vielversprechend und ähnlich sicher wie bei Erwachsenen.
Zusammenfassend haben Hirnstimulationsverfahren wie die transkranielle Magnetstimulation das Potenzial, Jugendlichen mit Depression dauerhaft wirksame, am Gehirn ansetzende Interventionen zu bieten.
Die verfügbaren Daten legen nahe, dass die Behandlung mit transkranieller Magnetstimulation die bei Depression auftretenden biologischen Ungleichgewichte und die pathophysiologischen Veränderungen in den betroffenen Hirnregionen (in den kortikalen GABAergen und glutamatergen neuronalen Schaltkreisen) rückgängig machen könnte. Die bisherigen Studien zur transkraniellen Magnetstimulation bei Jugendlichen befinden sich noch in einem frühen Stadium, und es sind größere, breiter angelegte Langzeitstudien erforderlich.
Tabelle 1
Zusammenfassung der Studien zur therapeutischen TMS bei Depression im Jugendalter
| Literaturangaben | N | Durchschnittsalter (Jahre) | Frequenz | Intensität | Stimulationsort | Klinisches Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Walter et al. 2001 | 4 | 16 | 1–10 Hz (variabel) | 90–110% | LDLPFC | 2 Patienten mit Ansprechen (ein Patient ohne Ansprechen hatte eine bipolare Depression) |
| Loo et al. 2006 | 2 | 16 | 10 Hz | 110% | LDLPFC | 2 Patienten mit Ansprechen |
| Bloch et al. 2008 | 9 | 17 | 10 Hz | 80% | LDLPFC | 3 Patienten mit Ansprechen |
| 1 Patient mit teilweisem Ansprechen | ||||||
| Wall et al. 2011 | 8 | 16 | 10 Hz | 120% | LDLPFC | 6 Patienten mit Ansprechen |
| Mayer et al. 2012 (Nachuntersuchung 3 Jahre nach der Studie von Bloch et al. 2008) | 8 | 17 | 10 Hz | 80% | LDLPFC | Die Verbesserung der depressiven Symptome hielt bei der Nachuntersuchung an |
| Le et al. 2013 | 25 | 11 | 1 Hz | 110% | SMA | Verbesserung der depressiven Symptome auf Gruppenebene |
| Yang et al. 2014 | 6 | 18 | 10 Hz | 120% | LDLPFC | 4 Patienten mit Ansprechen |
| Wall et al. 2016 | 10 | 15 | 10 Hz | 120% | LDLPFC | 6 Patienten mit Ansprechen |
| Farzan et al. 2017 | 16 | 21 | iTBS und cTBS | 80% | LDLPFC (iTBS) | |
| RDLPFC (cTBS) | 4 Patienten mit Ansprechen | |||||
| 9 Patienten mit teilweisem Ansprechen | ||||||
| MacMaster et al. 2018 | 32 | 17 | 10 Hz | 120% | LDLPFC | 18 Patienten mit Ansprechen |
cTBS: kontinuierliche Theta-Burst-Stimulation, Hz: Hertz, iTBS: intermittierende Theta-Burst-Stimulation, LDLPFC: linker dorsolateraler präfrontaler Kortex, RDLPFC: rechter dorsolateraler präfrontaler Kortex, SMA: supplementär-motorisches Areal